Eins aber weiß ich!

Fabian war 12 Jahre alt und er liebte es enorm, seinen alten Großvater zu besuchen.
Ihr müsst wissen, das war ein ziemlich weiser Mann, so fand es jedenfalls Fabian. Mit Opa konnte man super reden, denn der hörte richtig gut zu. Er unterbrach einen nicht einfach, so wie die anderen Erwachsenen das oftmals taten. Und er hatte auch nicht immer auf alles gleich eine passende Antwort. Manchmal überlegte er ziemlich lange, bevor er überhaupt irgendetwas sagte. Bei Opa fühlte sich Fabian verstanden mit all seinen vielen Fragen und unfertigen Gedanken. Ja, Fabian liebte seinen Opa.

Es war also wieder Mal soweit. Fabian war in den Ferien bei seinem Großvater zu Besuch. Meistens werkelten sie dann im Haus oder draußen im Garten herum, bastelten und schraubten an irgendwelchen alten Teilen oder saßen genüsslich im Schatten auf der Bank unter dem uralten Apfelbaum. Der Baum muss bestimmt auch so alt sein, wie Opa, dachte Fabian bei sich selbst, als er in das knorrige Geäst emporblickte.

Da fiel ihm wieder die Frage ein, die er seinem Opa unbedingt stellen wollte:
„Opa, woher kommen wir Menschen eigentlich? In der Schule wurde erzählt, dass alles mit einem Urknall begann. Und seitdem entwickelt sich alles weiter. Irgendwann gab es dann auch uns Menschen. Die sagen, wir stammen von den Affen ab und dass das Leben auf unserer Erde ein glücklicher Zufall ist. Aber in ein paar Milliarden Jahren wird die Sonne aufhören zu scheinen und dann ist hier sowieso wieder alles zu Ende. Glaubst Du das auch?“

Der alte Mann räusperte sich verlegen, kratzte sich genüsslich hinterm Ohr und dann schwieg er für eine ziemlich lange Weile. Indessen saß Fabian geduldig neben ihm und versuchte nicht genervt drein zu schauen. Schließlich wusste er aus eigener Erfahrung, dass man mit Ungeduld bei Opa aber auch gar nichts bewirken kann. Der ließ sich nämlich nicht drängeln. Opa pflegte dann immer nur zu sagen: „Junger Mann, nicht so eilig bitte. Ein alter Mann ist auch kein D-Zug. Und außerdem besitze ich alle Zeit der Welt – schließlich bin ich ja Rentner!“ Und damit war dann jedes Mal alles gesagt.

Also wartete Fabian geduldig auf eine Antwort.
Nach einer gefühlten Ewigkeit schaute Opa ihn an und begann:
„Mann, o Mann, was die klugen Leute heutzutage alles nur so wissen. Das ist schon beeindruckend. Ja, ich habe auch von solchen interessanten Theorien gehört. Aber, Junge, wer soll das schon wirklich wissen. Schließlich ist kein Mensch so alt, dass er selber hätte dabei sein können. Doch, wenn ich ein wenig nachsinne und auf den reichen Schatz meiner Lebenserfahrungen zurück blicke, dann muss ich dir sagen: ich habe in meinem langen Leben noch nie erlebt, dass irgendetwas ganz von alleine entstanden ist oder sich weiterentwickeln konnte. Zum Beispiel da, der alte Rasenmäher. Erinnerst du dich, wie wir ihn letztes Jahr auseinandergenommen haben, um ihn zu reparieren.
Also das Ding hat sich weder selbst erfunden, noch selbst gebaut. Ich konnte es bestenfalls ein wenig auseinanderschrauben und nach dem Defekt suchen. Das Teil konnte sich auch nicht alleine reparieren, dazu brauchte es unsereinen. Ich will damit sagen: ich weiß nicht allzu viel – eins aber weiß ich…
Diese  Welt ist kein Zufall! Einer hat sie wunderbar gemacht und ER hält alles in Gang. Auch wir Menschen sind etwas ganz besonderes, finde ich. Wir haben das, was kein anderes Lebewesen besitzt. Wir haben ein Bewusstsein, Gefühle, Gewissen und Verstand.“

Die Antwort gefiel Fabian gut. Das ermutigte ihn gleich weiter zu fragen.
„Opa, und gibt es ein ewiges Leben nach dem Tod? Ich meine, was passiert, wenn wir sterben? Die einen stellen sich vor, dass wir dann total weg sind und alles vorbei ist. Andere glauben, dass da noch was kommt. Himmel oder so? Was glaubst du?“
Wieder schwieg der alte Mann lange, bevor er weitersprach:
„Junge, Junge, du stellst gute Fragen! Tja, da macht sich wohl jeder so seine eigenen Gedanken, schätze ich mal. Ich weiß nicht allzu viel, –  eins aber weiß ich…
Wenn heute Abend die Sonne untergehen wird, dann ist sie zwar hier nicht mehr zu sehen, aber sie ist nicht wirklich weg. Sie ist nur weitergezogen und geht woanders wieder auf.“

Dieses Mal schwieg Fabian auch für einige Minuten und dachte über Opas Antwort nach, bevor er schließlich seine dritte und letzte Frage stellte:
„Opa, unser Lehrer sagt immer: Wir leben, um unaufhörlich weiter zu lernen! Das würde nie enden. Das ist der wahre Grund für uns alle, hier auf der Welt zu sein, sagt er jedenfalls! Was denkst Du darüber?“
Für die letzte Antwort brauchte Opa keine lange Bedenkzeit.
Schnell und entschlossen antwortete er:
„Fabian, dein Lehrer muss ein wirklich kluger Kopf sein, was der so alles weiß. Ich bin ja nur ein einfacher Mann. Ich weiß nicht allzu viel – eins aber weiß ich…
Wenn ich eines Tages sterben werde, dann möchte ich nicht, dass man auf meinen Grabstein schreibt: „Nur Mühe und Arbeit war sein Leben!“ – aber auch nicht: „Er lebte nur, um zu lernen!“  – Ich glaube, dass Mein Schöpfergott mich – und auch dich und alle anderen Menschen – mit voller Absicht erfunden hat. Von IHM komme ich her, und zu IHM werde ich eines Tages gehen. Und in der Zwischenzeit, damit meine ich mein ganzes langes und doch so kurzes Dasein hier auf der Welt, lebe ich, um zu lieben. Die Liebe ist das Größte, Schönste und Wichtigste. Ja, ich glaube, wir Menschen sind für die Liebe gemacht! Gott zu lieben, den anderen zu lieben und auch unser eigenes kleines Leben in Liebe zu umarmen – das ist wozu ich lebe!“

So saßen beide noch lange Zeit gemeinsam auf der Bank unter dem Apfelbaum und schauten glücklich und zufrieden vor sich her. Sie schwiegen mit einander, denn alles Wichtige war bereits gesagt

Matthias Hoffmann
April 2021



Tiefe Wunden werden heil

Als Ältester von 4 Jungs bin ich in einem gläubigen Elternhaus aufgewachsen. So habe ich schon als kleiner Junge viel von Jesus gehört. Das erste Mal entschied ich mich schon mit 5 Jahren voller Freude für ein Leben mit Jesus.
Mein Vater war sehr jähzornig. Als Ältester war ich immer schuld, wenn es Streit unter uns Brüdern gab. Mein Vater schlug mich sehr oft und ich hatte ständig Angst vor ihm. Er ging auch gewaltsam mit meiner Mutter um und so versuchte ich, ihr Beschützer und Trost zu sein, obwohl ich noch ein Kind war. Das hinterließ tiefe Wunden in meiner Seele. Bis heute beeinflusst es manche Situation meiner Ehe und auch in anderen Beziehungen.
Während eines „TEAM F- Seminars“ in den achtziger Jahren führte ein Seelsorgegespräch dazu, dass ich meinem Vater vergeben konnte. Das war sehr schmerzhaft. Es dauerte sehr lange, den vollen Namen meines Vaters auszusprechen und ihm im Namen von Jesus zu vergeben. Als ich damals während des Seminars gesegnet wurde, erlebte ich das erste Mal Vaterliebe. Ein paar Jahre später konnte ich mich mit meinem Vater versöhnen.
Ich fing an, SEINER Liebe zu vertrauen. Doch der Waisengeist in mir war noch sehr aktiv. Ich lebte noch ständig in Angst, zu kurz zu kommen. Obwohl ich mich nach Nähe sehnte, konnte ich sie ganz oft nicht zulassen. Das blieb nicht ohne Folgen für meine Familie. Besonders meine Frau litt sehr darunter. Sie war selbst auf der Suche nach Vaterschaft und durchlebte eine tiefe Krise. Als sie verändert und glücklich von einer Vaterherzschule zurückkam, entschloss ich mich 2010, auch eine Vaterherzschule zu besuchen. In diesen Tagen wurde mir bewusst, wie viele Defizite ich noch in meinem Leben hatte. Gleichzeitig erfuhr ich jeden Tag ein Stück tiefer, wie wunderbar, heilsam und befreiend Papas bedingungslose Liebe zu mir immer noch ist.

Ich besuchte weitere Vaterherzveranstaltungen. Eine Vaterherzschule in Reichenbach gab mir neuen Schub auf meiner Reise näher an SEIN Herz. Thomas Hascher segnete mich und bat mich, meinen Kopf auf seine Schultern zu legen. Mir wurde bewusst, dass ich noch immer große Probleme damit hatte, mich umarmen zu lassen. Doch ich wagte es und erlebte eine tiefe Berührung. Warme Hände legten sich ganz sanft und vorsichtig um mich. Mir liefen die Tränen. Dann konnte ich mich noch rückwärts auf Matratzen fallen lassen. Es war für mich so, als wenn ich mich in die Arme des Vaters fallen gelassen hätte. Diese warmen Vaterhände spürte ich noch sehr lange.
Mein Herz brennt dafür, noch viele Menschen mit dieser wunderbaren Vaterliebe anzustecken.
Johannes

Alles hat SEINE Zeit…

Aus Prediger 3:
„Alles hat seine bestimmte Stunde und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Zeit:…Geborenwerden hat seine Zeit und Sterben hat seine Zeit…Weinen hat seine Zeit und Lachen hat seine Zeit…Klagen hat seine Zeit und Tanzen hat seine Zeit…Umarmen hat seine Zeit und sich der Umarmung enthalten hat seine Zeit…Suchen hat seine Zeit und Verlieren hat seine Zeit…alles hat seine Zeit!“

Unser Abba-Papa ist ein Ewig-Vater.  ER ist ewig, Alpha und Omega, ohne Anfang und Ende. ER war immer schon da und wird immer da sein. ER lebt gehimmelt außerhalb von Zeit und Raum, jedenfalls gemessen nach unseren Maßstäben. Und doch durchdringt Abbas Ruach-Atem-Geist alle Dimensionen des Geschaffenen in den Himmeln, sowie im weiten Kosmos und auf unserer kleinen Erde. ER ist Immanuel. Gott bei uns. Überall. Ein nahes Wesen. Der Allgegenwärtige.
Selbst die Wissenschaft (von Astrophysik über Quantenphysik) muss mittlerweile erkennen, dass das Meiste im Universum, so wie auch in den Atomen, für unser menschliches Auge unsichtbar bleibt, aber dennoch real vorhanden ist. Der Spruch – „ich glaube nur, was ich sehen kann!“ – funktioniert so nicht mehr! „Zeit und Raum sind relativ“, das wusste schon der geniale Albert Einstein vor fast 100 Jahren.
Und das bezeugt uns auch die Weisheit und Wahrheit der Bibel!

Alles hat SEINE Zeit. Nämlich Gottes Zeit.
Abba kennt das passende Maß. ER behält den Überblick und weiß am besten, wann etwas beginnen und wieder aufhören soll. Es war und ist Ausdruck Seiner Gnade, dass wir Menschenkinder (nach dem Sündenfall) in begrenzter Zeit- und Raum-Dimension weiterleben. Man stelle sich nur mal kurz vor, wenn ein böser Diktator ewig leben könnte. Wie furchtbar wäre das, wenn ein Schrecken nie ein Ende fände.  Das wäre die Hölle auf Erden.

Ich will Dir heute zusprechen: Alles hat SEINE Zeit in Deinem Leben!
Jede Krise, jedes Leid, jede Krankheit…alles Schwere, was uns trifft, musste vorher an den liebenden Augen von Abba vorbei. Und ER allein weiß, wie lange es dauert! Es dauern  muss. Im Glauben hat alles Sinn und Ziel, auch wenn wir es jetzt noch nicht sehen und verstehen können. Alles hat hier einen Start und auch ein Finale. Begrenztes Leben tut oftmals weh, aber ist auch heilsam zugleich.

Jesus Christus ist Anfänger und Vollender; derselbe gestern, heute und in Ewigkeit!  ER, das Vaterherz Gottes in Person, ist derjenige, der war und ist und kommen wird. ER durchschreitet alle Dimensionen von Zeit und Raum und herrscht in Seiner absoluten perfekten Liebe darin und darüber.
Das reicht um geborgen zu leben, in Zeiten wie diese!

Matthias Hoffmann
März 2021

Das Glaskugelspiel

Ein weiser, alter Gottesmann sprach einmal zu einem Jüngling:
„Komm, ich werde dich ein wunderbares Spiel lehren!
Man nennt es, das Glaskugelspiel!“
Während er dies noch sagte, zog er vorsichtig eine Reihe durchsichtiger Gaskugeln nach einander aus den bauschigen Falten seines Gewandes.

„Sieh nur, das ist die Freude!“ sagte der Ate und warf die erste Glaskugel seinem Gegenüber zu. Da geschah das Unfassbare und Wundervolle. Im Flug begann die Glaskugel in den prächtigsten Farben zu leuchten. Sie verbreitete solch einen atemberaubenden Glanz und ungeahnte Schönheit, dass der Jüngling bei ihrem Anblick ganz gebannt war und fast versäumt hätte, seine Hände zum Auffangen auszustrecken. Im letzten Moment fing er sie dann doch noch. Aber da verlor sie schon wieder ihr Strahlen und wurde so durchsichtig, wie zu Beginn.

„Merkst Du, mein Freund, nur im Weitergeben entfalten die Glaskugeln ihren wahren Glanz. Darum ist es so wichtig, das Empfangene gleich wieder loszulassen und weiter zu reichen. Auf diese Weise gelingt das Glaskugelspiel!“ fügte der Alte hinzu.
„Komm, wirf die Freude wieder zurück und das Spiel kann weitergehen.“

So trennte sich der Jüngling von der soeben gefangenen Freude. Und erneut schimmerte sie in herrlicher Farbenpracht beim Flug durch die Luft. Da kam auch schon die nächste Kugel geflogen. Diesmal war es die Hoffnung. Dann kam die Liebe, danach der Friede und auch noch die Freundlichkeit. Glaskugeln flogen hin und her. Alle Farben des Regenbogens leuchteten auf. Die Kugeln wechselten die Hände und berührten die Herzen der Fänger und Werfer gleichermaßen.

Und siehe, das Glaskugelspiel war sehr gut!

Da durchfuhr den Jüngling ein verführerischer Gedanke:
„Nur einmal die Freude festhalten dürfen! Nur einmal die Liebe für mich ganz alleine besitzen können! Nur einmal das Glück mit niemanden teilen müssen!“
Und so hielt er angespannt die Freude in seinen Händen und drückte sie fest an seine Brust, dabei zerbrach sie in tausend Stücke. Und weil er entsetzt auf die Scherben starrte, bemerkte er gar nicht, dass schon die nächste Kugel angeflogen kam. So verpasste er die Liebe. Auch sie fiel zu Boden und lag zersplittert vor ihm. Ebenso verfehlten ihn die nächsten Glaskugeln: Friede, Hoffnung, Vertrauen, Geduld…alles lag in Trümmern vor ihm. Ein riesiger Scherbenhaufen.

Der Jüngling begann bitterlich zu weinen. Jetzt war das herrliche Spiel vorbei und das alles nur, weil er es selbst zerstört hatte mit seiner Habgier und Unvernunft.


„Weine nicht, mein Freund!“ hörte er die sanfte Stimme des Gottesmannes sagen.
Der Alte näherte sich und trat entschlossen hinzu. Mühsam ging er auf seine Knie und fasste unerschrocken in den Glasscherbenhaufen hinein. Dabei zerschnitten ihm die Splitter und Bruchstücke die Hände. Er musste gewisslich enorme Schmerzen erleiden. Blut quoll aus vielen Wunden und tropfte über die zerbrochenen Glas-Fragmente. Der Gottesmann nahm jede Scherbe und mit seinem Blut verklebte er die einzelnen Teile. Da geschah das nächste Wunder. Was vorher noch zerstört daniederlag, formte sich erneut unter den blutenden Händen des Alten und wurde wieder heil und neu; ja, wunderschön – so, als ob  gar nichts geschehen sei.

Der Gottesmann legte eine herrliche Glaskugel nach der anderen vor sich hin auf die Erde. Alle Kugeln waren wiederhergestellt: die Freude, der Friede, die Hoffnung, die Zufriedenheit, das Glück und wie immer sie mit Namen lauteten. Alles war wieder gut. Das Glaskugelspiel konnte also weitergehen.

Der Alte richtete sich auf und nahm ein paar Schritte Abstand, während der Jüngling kaum glauben konnte, was da soeben vor seinen Augen geschehen war.
„Lass uns von vorne beginnen!“ sprach der Gottesmann.
„Ich nehme an, dieses Mal hast du den tieferen Sinn des Spiels verstanden und wirst es wahrlich besser machen!“

„Ja, das werde ich!“ antwortete der Jüngling mutig, beugte sich und nahm die erste Kugel zärtlich in die Hand. Es war das Vertrauen. Er warf sie in die Luft und schon begann sie zu strahlen. Dann folgten Liebe, Hoffnung und Zuversicht. Ein Rausch an Farben und Empfindungen. Schöner als je zuvor. Ein Geben und ein Nehmen, ein Loslassen und Empfangen.

Und siehe, das Glaskugelspiel war sehr gut!


Matthias Hoffmann
März 2021



Vom Kerker in die Freiheit.


Heilungs- Lebens- Zeugnis von Katja

Wenn ein Mensch mit Gewalt gezeugt wird und als ungewolltes Kind vom Mutterleib an viel Ablehnung erfährt, sogar Abtreibungsversuche überlebt, dann ist das kein guter Start ins Leben. Wenn dann noch sexueller Missbrauch vom Vater, von Lehrern und Mobbing dazu kommt, ist das höchst zerstörerisch. Nur kurze Zeit findet die Seele Wege, diese Wunden auszublenden.

Mein Leben hat so begonnen und war ein Überlebenskampf mit vielen Ängsten, Depressionen, Burn-outs, Bulimie und Anorexie. Mit acht Jahren durfte ich nach einem traumatischen Erlebnis Gottvaters Liebe in seinem liebevollen Schoß erfahren. Das gab mir Trost und neue Kraft, weiter zu leben. Trotz der Scheidung meiner Eltern und vieler Umzüge begann ich, in Gottes Ruf zaghaft hinein zu wachsen. Dennoch erlebte ich in meinem Leben weiterhin viel Mühe, Einsamkeit, Missbrauch, Ablehnung, eine große Leere und Sehnsucht nach wahrer Liebe. Diese Leere versuchte ich mit allem möglichen zu füllen, mit Essen, Partys, Esoterik und Okkultem.

Auf der Suche nach Liebe und Anerkennung lief ich oft Menschen hinterher. Ich wünschte mir Sinn und ein gutes Leben, und lernte Heilerziehungspflege. Doch statt des guten Lebens entwickelten sich Verhaltensmuster, die sich verschlimmerten, und ich fiel in Süchte. 1993 heiratete ich, und Gott schenkte mir einen wunderbaren Mann, mit dem ich zwei tolle Kinder bekam.

Dann geriet ich erneut auf den falschen Weg und wollte Domina in Hamburg werden. Gott verhinderte es in seiner Gnade und ich ging in eine Gruppentherapie, in der ich viel über mich und andere lernte. In der Kirche gestaltete ich damals gerne Kindergottesdienste. Mit 30 Jahren in einer Lebenskrise machte ich noch einmal einen großen Schritt auf Gott zu.

 Ich bat Jesus verzweifelt um Hilfe, bat ihn erneut in mein Herz und mein Leben, und er kam. Ich liebte ihn, seine Gegenwart und erlebte übernatürlich Heilsames. Dann schloss ich mich einem Hauskreis an, der zu einer Gemeinde wuchs und ich ließ mich taufen.

Gemeindebau, Dienst, und der Druck, den ich selbst und andere mir darin machten, rückten dann 6 Jahre lang stark in den Mittelpunkt, bis ich im Burnout landete und eine halbseitige Gesichtslähmung bekam. Nach 3 Wochen heilte sie durch Gebet, obwohl die Ärzte sagten, dass sie für immer bleiben würde. Es war ein Wunder.

Ich definierte mich durch Leistung, durch fromm und brav sein. Es allen und Gott recht zu machen war für mich zu diesem Zeitpunkt ein wichtiger Teil des Christseins. Ich wollte nie mehr verletzt und abgelehnt werden. Erst im völligen Zusammenbruch merkte ich, dank Jesus, meine Gebundenheit darin. Nichts tun zu können war schlimm für mich. Wer war ich, wer mochte mich denn noch so schwach und nutzlos? Niemand, war meine Überzeugung.

Dann erkannte ich, dass da noch etwas in meinem Leben war, was mich sehr belastete und unsicher machte. Es war die fehlende Vaterliebe, die Ablehnung und der Missbrauch, der mich innerlich schon so lange quälte. Ich begann dann eine Seelsorge-Ausbildung, um Frauen zu helfen. Mit der Zeit wurden meine Ängste und Depressionen unerträglich. Immer wieder bat ich Jesus, mich davon zu befreien. Bis er die Türen dafür öffnete.

DIE WENDE. In dieser Zeit spürte ich die große Sehnsucht nach einem guten, liebevollen Vater immer mehr und mehr in meiner Seele hochkommen. Mein inneres verletztes Kind wurde darin plötzlich lebendig und begann zu reagieren. Begegnungen, Filme und Bilder, die dieses Thema ansprachen (triggerten), ließen mich in Sehnsucht weinend zurück. Ich fragte mich, wie ich diese Hürde jemals nehmen konnte. Mit der Zeit entwickelte ich starke Selbstmordgedanken.  Die Vorstellung, meinem Vater, einem Vater, oder Gott als Vater zu begegnen, war Horror für mich.

Ich wollte einerseits Liebe und Zuwendung erfahren, aber alles in mir wollte auch davor weglaufen. Während dieser Zeit hatte ich einen Brusttumor, der operiert wurde, und einen Bandscheibenvorfall mit Fußlähmung, der nicht behandelt wurde, außer mit spazieren gehen und liegen. Jesus heilte beides und sprach mit mir in dieser ruhigen Zeit über alles. Er ließ mir alles zum Besten dienen. Gottvater hatte einen Heilungsplan, der nun in mein Leben kam.

Ich verbrachte viel Zeit in Seelsorge-Häusern und lernte Menschen kennen, die mir halfen und ein wenig wie Eltern waren. Langsam und oft unter Anfechtung (ich bekam Diabetes) begann ich, durch diese Beziehungen im Herzen zu heilen und zu verstehen, wie ein guter Vater sein konnte. Lebenslügen wurden offenbar, die endlich unter meine Füße kamen. In der Heilung entstanden meine Bilder und Figuren. 2009 gründete ich jesuliebe.de, und 2012 mit meinem Mann unser Auszeit-Haus AMMIEL am Bodensee.

Nach einigen Jahren zerbrach diese wertvolle Beziehung und ich verlor über dieser erneuten Ablehnung völlig den Boden unter meinen Füßen. Die Wunde, keine Eltern, keinen liebenden Vater gehabt zu haben, brach noch einmal voll auf und ich hatte kaum Hoffnung auf Besserung. Ich war ohnmächtig vor Schmerz und Hass. Die Tränen der Scham über mich selbst, der Ablehnung und des Verlustes nahmen kein Ende. Ich war darin gefangen und erneut in einem Burnout.

Doch dann griff die liebevolle Hand Gottvaters nach mir und hob mich empor aus dem Kerker meiner Anklagen, allen Versagens und dem tiefen Verlustschmerz. Er half mir, neu zu vertrauen, allen Menschen, die mich verletzt und abgelehnt hatten, zu vergeben und sie sogar zu segnen. Danach half er mir auf und gab mir meine wertvolle Identität in Ihm und eine gesunde heilsame Sicht Menschen gegenüber.

Ich lernte die Vaterherzschule kennen, in der ich viel Freude erfuhr, mitarbeiten und weiter lernen und heilen konnte. Gottvaters Liebe und Segen übertraf alle meine eigenen Bemühungen. Er stellte meine Würde wieder her und ich erlebte Erstaunliches mit dem Heiligen Geist. In all dem gab er mir Weisheit, Dankbarkeit, Geduld, Mut und Autorität. Gottvater war für mich die Antwort auf Geborgenheit und Schutz und jeder Sehnsucht meines inneren verletzten Kindes. Er heilte und stillte das Verlangen nach zugewandter, gütiger Vaterliebe in mir.

In tiefen Herzensprozessen stellte er mich auf ein neues Fundament seiner Liebe zu mir. Ich lernte, dass ich als sein gewolltes, geliebtes Kind nicht alles recht machen muss, um von ihm geliebt, versorgt und angenommen zu sein. Er lehrte mich, Grenzen zu setzen und in ihm geliebt zu leben. Heute bin ich voller Lebensfreude und frei von Depressionen und Bulimie. Jesus kam, um uns zum Vater zu führen, weil er wusste, dass Kinder einen beständig guten Vater brauchen (Matthäus 18,2-4.)

Wenn das Leben dich umhaut, fängt Gottvater dich auf. Er verändert nicht gleich die Umstände, aber er verändert uns in den Umständen. Ausführlicher ist meine Geschichte nachzulesen in meinem Buch „Niemand liebt dich mehr als der, der dich schuf“. Erhältlich im Grace-today Verlag oder bei  www.ammiel.de  / www.jesuliebe.de