Ein Blick aus Abbas Wohnzimmerfenster

-M. Hoffmanns Geschichten-Erzählung-

Kennst Du jene Begrüßung:
„Herzlich willkommen im Vaterhaus der Liebe Gottes!“?

Es kann sein, dass Du diese Worte schon x-mal gehört hast. Und zwar von Leuten, die Gott als ihren liebenden Abba-Papa kennen gelernt haben. Die Liebe des Vaters im Himmel ist für solche Menschen geradezu ein neues Zuhause geworden. Ein neuer Lebensraum. Eine neue Adresse. Eine neue Heimat. So, wie wenn man einen neuen Wohnsitz beziehen würde.

Das Vaterhaus der Liebe Gottes muss ein sehr, sehr großes Haus sein – denn Gott ist ja auch sehr, sehr groß. Wenn ER, der Allmächtige und Ewige, da hineinpassen soll und dort sogar thront und wohnt, dann muss es tatsächlich unendlich viel Platz darin geben. Außerdem haben auch noch in diesem Vaterhaus der Liebe alle Kinder Gottes ihren persönlichen Lebensraum. Wenn schon das sichtbare Universum, mit unzähligen Galaxien und Clustern von Sternenhaufen, unvorstellbar gigantisch groß und fortwährend am Expandieren ist, wie mag dann wohl Abbas Vaterhaus aussehen?!  

Doch trotz aller imposanter Größe – kein Bauwerk dieser Welt käme ihm jemals gleich – ist das Vaterhaus der Liebe Gottes ein wunderbarer Ort vertrauter Geborgenheit. Ich kenne keinen Ort, an dem ich lieber wäre, als nur dort zu sein. Die gewaltigen Ausmaße an Größe erschlagen mich nicht. Es ist zwar unmöglich für mich in irgendeiner Weise einen Überblick über die ganze Weite, Tiefe, Höhe, Länge, – über alle Dimensionen und Ebenen dieses Hauses zu haben. Aber das brauche ich auch gar nicht. Solange ich nur weiß, dass Abba-Papa Zuhause ist. Solange mein Immanuel bei mir ist. Dann weiß ich, dann ist alles gut!

Der Vater selbst ist das Licht in diesem Haus. ER ist das absolute Zentrum. Von IHM geht alles pulsierende Leben aus. SEINE Gegenwart schmückt jeden Raum. SEINE Herrlichkeit und Schönheit durchfluten alle Gänge und Säle. Gnade und Güte sind wie die Luft zum Atmen an diesem Ort. SEINE Freundlichkeit und Barmherzigkeit erzeugen überall die lebensspendende Wärme und nötige Raumtemperatur. Alles riecht, schmeckt, sieht danach aus, hörst sich so an, fühlt sich wie… beim himmlischen Papa Zuhause sein.

Und dennoch gibt es Kinder Gottes, die wollen einfach nicht hereinkommen. Sie spielen weiterhin draußen vor der Tür die alten Macht-Spielchen der Waisenkinder:
Wer ist der Größte? Wer ist der Beste? Wer hat das Meiste?
– so als ob sie den Ruf von Abba nicht gehört hätten. Sie sehen, dass die Tür zum Vaterhaus Gottes sperrangelweit offensteht. Deutlich erkennen sie die Lichtstahlen, die aus dem Haus hervorleuchten und die Dunkelheit der Nacht erhellen. Sie spüren sogar die wohltuende Wärme des knisternden Feuers, das bereits drinnen brennt. Und trotzdem kommen sie nicht näher und gehen auch keinen Schritt hinein!
Kannst Du Dir das vorstellen?!

Ja, das gibt es leider wirklich! Ich kenne das sogar aus eigener Erfahrung.
Wir sind fast schon Zuhause angekommen, stehen bereits mit einem Fuß auf der Schwelle, und können doch weiterhin draußen vor der Tür unser Dasein fristen.
Es gibt einen himmelweiten Unterschied: sind wir beim Vaterhaus oder im Vaterhaus?! Wir können uns ganz nahe beim Vaterhaus der Liebe Gottes aufhalten, aber ohne, dass es uns tiefer hineinzieht. Wir genießen die Atmosphäre, die das Vaterhaus umgibt mit Musik, Farben, Düften, Wärme und Lichter. Aber wir nehmen nicht wirklich Wohnung. Wir ziehen nicht real ein. Wir verlagern nicht unseren Lebensmittelpunkt dorthin. Wir verlassen nicht Altes, um das Neue einzunehmen.

Oder? – Oder wir leben drinnen im Vaterhaus der Liebe! Wir laufen hinein in die offenen Arme SEINER Vaterliebe. Wir erwählen SEINE Nähe zu unserer konstanten Heimat. Dann wird dies Bild und geistliche Gleichnis vom Vaterhaus zu einer Wirklichkeit, die unseren Alltag erfüllt und vollständig umprägt. Wer drinnen beim Vater einzieht und Wohnung nimmt, der lebt auf; der fängt an zu erahnen, wie Gott SICH Leben überhaupt vorgestellt hat.

Das Leben drinnen mag anfangs für uns noch sehr ungewohnt sein. Mit dem himmlischen Vater zu kuscheln oder Ewigkeiten lang mit IHM zu plaudern. IHM alle Fragen der Welt stellen zu dürfen. IHM in der Werkstatt des Lebens bei der Arbeit zu zusehen. SEINEN Herzschlag zu hören und mitempfinden zu dürfen, wie es IHM persönlich bei all dem Schrecklichem ergeht, was in der Welt geschehen kann.  Ja, hier drinnen ist uns SEINE Sicht der Dinge so viel näher. Da sind die Meinungen der anderen Kindsköpfe, und seien sie dreimal klug, gar nicht so beeindruckend!

Es lohnt sich, aus Abbas Wohnzimmerfenster einen Blick auf die Welt zu werfen. Hier drinnen erfahren unsere Herzen mehr Wahrheit und Weisheit, als alle Nachrichtensendungen, sozialen Medien und kompetenten Meinungen der Welt uns jemals anbieten könnten. Aus Abbas himmlischer Perspektive sehen die Dinge der Welt vollkommen anders aus. Nicht religiös, rechthaberisch, parteiisch; auch nicht rebellisch oder populistisch – sondern göttlich, einfach himmlisch und Papa-mäßig!

Ich habe Abbas Einladung gehört und nehme sie gerne an. Genau jetzt in dieser dunklen Zeit von Irrungen und Verwirrungen. Gerade jetzt will ich mich im Vaterhaus der Liebe Gottes bergen und bei IHM bleiben. Ich will auf Papas Schoß sitzen, ganz nahe an SEINEM Herzen. Ich will aus Abbas Wohnzimmer einen Blick auf die Welt werfen und in SEINEN Schalom leben. Und so erfüllt, will ich dann gerne wieder andere Menschenkinder damit anstecken: mit Gottes Trost, Herzensfrieden und neuer Hoffnung!

Matthias Hoffmann
November 2020