Die wunderbare Zeitvermehrung

– M. Hoffmanns Geschichten-Erzählung –


Es gab einmal eine Zeit auf unserem Erdball, da klagten alle Menschen gemeinsam darüber, dass sie viel zu WENIG ZEIT hätten!

Es gab zu WENIG ZEIT für all die wichtigen Aufgaben und unerledigten Arbeiten, die noch zu tun wären.

Zu wenig ZEIT für das Ausruhen und Genießen. Oder für das Treffen mit Freunden; oder das Spielen mit den Kindern.

Zu WENIG ZEIT für das Lachen und die Freude an den kleinen und großen Wundern der Welt, die uns umgeben.

Wer hatte schon ZEIT zum Zu-hören, zum Nach-sinnen oder gar Verrücktes und Unnützes zu veranstalten?

Und schon gar keine ZEIT war da für das Mit-fühlen mit den Leidenden und Schwachen, für das Trauern – oder wohlmöglich für das Sterben!

Nein, für so etwas gab es keinen freien Termin mehr!

Die Menschen waren allesamt voll verplant, ausgebucht und scheinbar auf Jahre hin festgelegt. Keiner hatte mehr ZEIT zum Leben und zum Sterben. ZEIT für Überraschungen und Unvorhersehbares. ZEIT für Wunder und für kindliches Vertrauen. Vielmehr hatten sie Maschinen angefertigt, mit denen sie genaustens alle ZEIT einteilen, bemessen und planen konnten.

Als der Allmächtige und Schöpfer aller Dinge das sah, wurde Ihm ganz schwer ums Herz. Was hatten Seine Menschenkinder da nur missverstanden?!

Ein guter Gedanke stieg in Ihm empor. Er legte Seinen Königsmantel ab und bekleidete Sich mit dem Gewand eines vergänglichen Menschen. Dann verließ Er Seinen Himmelspalast und kam selber auf unseren Planeten. Wer Ihn nun sah, hätte Ihn fast für einen von Uns gehalten!

Der Himmlische im irdischen Gewand sprach zu den Menschen:

„Liebe Kinder, es ist ZEIT für Euch, ZEIT zu haben!

Legt Eure selbstgemachten ZEIT-Maschinen fort und kommt zu Mir!

Ich will euch gerne zeigen, was der wahre Sinn Eurer Lebens-ZEIT ist!“

Aber die Menschen waren viel zu beschäftigt und hatten keine ZEIT für den Himmlischen. Und außerdem, sie wollten auch nicht mit „Liebe Kinder“ angesprochen werden. Schließlich waren sie „Erwachsene“ und meinten selber die ZEIT zu kennen. Dafür hatten sie ja ihre eigen angefertigten ZEIT-Maschinen, auf die sie sehr stolz waren. So gingen die großen Leute allesamt fort, einer nach dem anderen, und ließen den Himmlischen alleine stehen.

Übrig blieb nur einer. Ein kleiner Junge. Der hatte noch nicht einmal eine ZEIT-Maschine, so wie alle anderen. Aber dafür hatte er alle ZEIT der Welt.

Der kleine Junge sagte:

„Fremder Mann, ich vertraue Dir! Ich vertraue Dir meine ZEIT an!

Du kannst sie gerne haben – mache damit, was Du willst!“

Als der Himmlische das hörte, sprang Sein Herz vor Freude und Er wusste, dass es noch Hoffnung für die Menschenkinder gibt, solange Er kindliches Vertrauen finden würde. Dankbar nahm ER das unscheinbare Geschenk dieses kleinen Jungens an: die freien Termine, die nicht verplanten Stunden und die unfertige Zukunft. Das gefiel dem Allmächtigen sehr gut!

Da geschah das große Wunder!

Eine wundersame ZEIT-Vermehrung!

Auf einmal stand die ganze Erde still. Der Himmlische hielt die ZEIT an.

Nichts ging mehr, drehte sich oder lief einfach weiter.

Jetzt gab es nur noch ZEIT für die ZEIT.

Ein Stück Ewigkeit flutete hinein in unsere Welt.

Alle Menschenkinder hörten auf zu tun, zu rennen, zu planen, zu machen.

Endlich war wieder genug ZEIT da!

Genug ZEIT für geliebte Menschen, Freunde und Nachbarn.

Genug ZEIT für Kreatives und die Schönheit des Lebens.

Genug ZEIT zum Helfen, Verstehen und Verstanden werden.

Selbst genug ZEIT für Schmerzen, Einsamkeit und Tod. Alles hatte wieder Seine ZEIT! Und das tat so unendlich gut!

Als der Allmächtige Sich wieder auf Seinen Heimweg in den Himmelspalast machte, warf Er einen letzten fragenden Blick zurück: –

Würden Seine Menschenkinder es jetzt endlich verstanden haben, wozu ZEIT gut ist?!

Nun, diese Frage kann nur derjenige beantworten, der seine ZEIT dem Himmlischen schenkt – so wie jener kleine Junge. Aber, wer Ihm vertraut, für den wird die Welt stillstehen und eine wundersame ZEIT-Vermehrung wird geschehen!


Dein
Bruderherz Matthias
März 2020