Irmtraud Lorenz, 12 Seiten
Schloßführung – ein Streifzug durch mein Leben
Der König möge mich in seine Gemächer führen!
Wir wollen jubeln und uns freuen an Dir,
wollen deine Liebe preisen,
mehr als den Wein. Hl.1,4b
Das ist also meine Kinderstube,
mit einer Holzwiege,
einer Spielecke,
einem Schaukelstuhl.
Hier hat meine Amme mich in den Armen gewiegt,
Schlaflieder gesungen,
die ersten Schritte gelehrt.
Ob meine Papa damals schon hier her kam
um mir zuzuschauen,
mich zu bewundern
bei den ersten Malversuchen,
meinem Kindergeplauder zuzuhören?
Wie sieht die Kinderstube meines Lebens aus?
Ja, ich hatte Eltern als „Ammen“
Die mir von Kindesbeinen an
schon von der Liebe
des himmlischen Papas erzählten
und die mir halfen
als ich 8 Jahre alt war
mein Leben Jesus Christus anzuvertrauen.
Dieses Schloß
ist ja wirklich mein Zuhause!
Thronsaal
Das ist der Thronsaal!
Da wird man ja richtig geblendet
von den vielen Lichtern und Spiegeln .
dem Glanz und der Größe.
Der König sitzt auf dem Thron,
der Hofstaat steht vor ihm
in prunkvollen Gewändern,
Da komme ja ich,
ein Kind an der Hand meiner Amme,
in Spitzen und Tüll gekleidet,
staunend, mit offenem Mund.
Wer ist dieser Mann auf dem Thron?
Jeder verneigt sich in Ehrfurcht vor ihm!
Nur wem das Wort erteilt,
der wagt zu sprechen!
Er ist ein König,
das kann ich sehen.
Es funkeln die Perlen
in seiner Krone,
er hält ein Zepter
fest in der Hand.
Jetzt steht er auf,
ein Glanz erstrahlt,
alle beugen sich nieder.
Auch ich knie mich hin.
Was bedeutet das nur?
Ich betrachte sein Gesicht,
Kenne ich das nicht?
Es wirkt so vertraut
und doch so fremd!
Da, der König schaut zu mir,
sein Blick findet mich kleines Kind,
voll Wärme und Freude sieht er mich an,
und jetzt erkenne ich ihn:
Das ist mein Papa!
Mein Papa ist König,
das wußte ich nicht!
Und ich bin sein Kind,
ein Königskind!
Wann habe ich meinen himmlischen Papa
in meinem Leben als König gesehen?
Ich erinnere mich
an Gottesdienste
als Kind
Ehrfurcht und Stille erfüllt den Raum
Dann erheben sich Stimmen
zart wie Glöckchen,
jubilierend und singend
hier eine, da eine.
Sie verbinden sich zu einem Chor,
werden zu einer mächtigen Welle,
brausend und kraftvoll
wogt der Gesang durch den Raum.
Dann ebbt er ab,
liebliche Harfenmusik ertönt,
Geigen, Violinen.
Erstaunt sehe ich mich um.
Wir haben doch nur eine Orgel
und paar Trompeten.
Wo kommen denn die Saitenspieler alle her?
Über mir,
neben mir,
ein Singen und Klingen.
Der Himmelschor
hat eingestimmt
in unseren Lobgesang.
Viele Leute sehen die Engel
mit Instrumenten in der Hand.
Ich höre sie nur.
Aber sie rühren mich an
auf seltsame Weise.
Ich möchte mich hinknien
und anbeten:
Meinen Papa und König.
Der Thronsaal ist auch mein Zuhause.
Der Speisesaal
Die Schloßführung geht weiter:
Hier ist der Speisesaal,
edles Silber auf dem Tisch,
kostbares Porzellan ,
wie oft gab es hier rauschende Feste,
alle waren eingeladen
alle wurden satt.
Ich erinnere mich an Konferenzen,
wo ich mein geistliches Bäuchlein voll geschlagen,
die Gemeinschaft entdeckt und genossen habe,
freundschaftliche Bande geknüpft wurden.
Der Speisesaal ist mir vertraut,
auch die Nischen
wo der Tisch gedeckt war,
nur für mich.
Die Waffenkammer
Mir wird die Waffenkammer gezeigt
Rüstungen in allen Größen,
Schwerter für Kinder
Schwerter für Erwachsene.
Wann wurde ich
das Kämpfen gelehrt?
Wann hat der König mich
zur Schlacht mitgenommen?
Ich erinnere mich:
als Teenager
ich war umzingelt
von Monstern
allein
dann kam der Kampf
mein Papa lehrte mich
drei Wochen
ein Kampf auf Leben und Tod
und dann:
gesiegt! gewonnen!
Ja, meine Waffenrüstung
habe ich auch aus dieser Waffenkammer!
Der Wirtschaftshof
Der Wirtschaftshof
ist mir auch vertraut.
Selbst der Königsohn
Ist nicht gekommen
um sich dienen zu lassen,
sondern um zu dienen.
Wir Königskinder
Tun es ihm gleich.
Hier an der Tür hängt mein Arbeitskittel
Ich erinnere mich
wie sehr ich mir gewünscht hatte
helfen zu dürfen
bei den „Lagerkindern“
einem missionarischen Liebesdienst
unter Randgruppen.
Aber ich war doch erst 12
und bestimmt zu jung!
Heiße Gebete stiegen zum Himmel empor!
Und dann wurde ich gerufen!
Mir wurde eine Gruppe Kinder anvertraut!
Das war der Anfang.
Später in Hamburg
Rocker, Drogenabhängige, Prostituierte
Berlin
Teen Challenge
und jetzt Gemeindedienst
an der Seite eines Pastors
Auch der Wirtschaftshof ist mein Zuhause!
Ein besonderer Seitenflügel
Mein Schloßführer
der Heilige Geist,
der mich durch diesen Streifzug meines Lebens begleitet hat,
zeigt mir einen Seitenflügel,
der noch nicht zugänglich ist,
die Tür ist verschlossen
und wird erst geöffnet
wenn die Vorbereitungen
für die Hochzeit des Königssohnes
beginnen.
Später.....
Die Hochzeitsvorbereitungen haben begonnen,
die Tür ist geöffnet
nun darf ich dem begegnen, den meine Seele liebt
oder doch nicht?
Warum kann ich nicht über die Schwelle treten,
trotz Hochzeitskleid?
Warum nicht?
Mir fehlt etwas?
Das kann nicht sein
Mein Kleid ist makellos
Und es wurde ihr (Braut) gegeben
Sich anzutun mit schöner und reiner Leinwand
Die köstliche Leinwand aber sind die gerechten Taten der Heiligen Offb.19,8
Mir fehlen deine Küsse?
Wie soll ich das verstehen?
Wie kannst du großer, herrlicher Gott mich küssen?
Du hältst die Wasser in deiner hohlen Hand,
die Erde ist der Schemel deiner Füße,
deine Augen sind wie Feuerflammen,
dein Atem läßt die Berge rauchen,
wie willst du mich küssen?
Ich soll mir anschauen wie du den Adam gemacht hast?
Erde hast du genommen,
mit deinen Fingern hast du ihn geformt,
nach deinem Bild – dir ähnlich
und dann, ja dann hast du ihn angehaucht,
und aus der Erde
wurde
ein lebendiger Mensch
der sprechen, tanzen
lieben und denken konnte
ein Wunder!
Ich verstehe! Ich verstehe!
SOO
willst du zu mir kommen
mich nicht nur anhauchen
sondern küssen.
Küssen!
Und dann,
und dann wird aus mir
und der Gemeinde
die jetzt oft müde
schwach,
oder überbeschäftigt,
vergeßlich ist
eine leidenschaftlich liebende
hingegebene Braut.
Nur so!
Bitte küsse mich!
Er küsse mich
mit dem Kuß seines Mundes Hohl.1,1
Gewaschen von seinen Küssen
Warum weinst Du?
Ich weine nicht, oder doch?
Meine Tränen mischen sich mit seinen Küssen,
er badet mich in seiner Liebe,
ER wäscht mich, wovon?
ER wäscht mich von den Blicken,
den vielsagenden, bedeutungsvollen,
den Blicken, denen keine Worte folgten,
Blicke, die mich herausfordern sollten
mich zu verteidigen
oder zu erklären,
skeptische Blicke,
richtende Blicke,
spöttische Blicke,
stolze, arrogante Blicke.
Wer hat dir das angetan?
Wer?
Die Töchter Jerusalems!
Nicht die Fremden, nicht die Gottlosen,
nicht die Welt und nicht meine Feinde!
Es waren die Töchter Jerusalems,
Töchter meines Vaters,
Menschen, denen ich vertraute
Christen, die mich erkennen –
mich annehmen sollten
als eine der Ihren,
als Tochter.
Doch sie sahen nur –
das ich schwarz bin
Ihr Töchter Jerusalems ,seht mich nicht an
weil ich schwärzlich bin,
weil die Sonne mich gebräunt hat!
Meiner Mutter Söhne fauchten mich an,
setzten mich als Hüterin der Weinberge ein.
Meinen eigenen Weinberg habe ich nicht behütet.
Hl.1,6
Was wißt ihr über mein Leben?
Was wißt ihr über meine Vergangenheit?
Was wißt ihr von dem Schmerz
der erbarmungslosen Sonne ausgesetzt zu sein?
Ausgeliefert zu sein!
Fortgeschickt zu werden!
Ich konnte mich nicht um mich selber sorgen
Und hatte niemand, der sich um mich sorgte.
Schwarz bin ich und doch anmutig
Ihr Töchter Jerusalems,
wie die Zelte Kedars
wie die Zeltdecken Salomos.
Hl.1,5
Aber jetzt ist alles anders
Ich bin schwarz und doch anmutig!
ER sagt es!
ER, der mich mit Küssen zudeckt
und nicht bloßstellt.
ER legt seine Arme um mich
und hüllt mich ein in Liebe.
Seine Blicke streicheln mich
Seine Hände liebkosen mich.
ER schreckt nicht zurück
ER weicht nicht aus
Ganz nah läßt ER mich kommen.
Siehe, du bist schön meine Freundin,
Siehe, du bist schön! Hl.1, 13
Seine Worte waschen mich
Seine Liebe reinigt mich
Von meinem Schmerz,
von meiner Wut,
von meiner Trauer,
von meinem falschen Selbstbild,
Ihr Töchter Jerusalems
Ich zürne Euch nicht mehr
Ich vergebe euch
Denn ich bin sein
Und er ist mein
Segnungen seiner Hand
Ich bin eine Narzisse von Scharon,
eine Lilie der Täler.
"Wie eine Lilie unter den Dornen,
so ist meine Freundin unter den Töchtern“
Wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes,
so ist mein Geliebter unter den Söhnen.
In seinem Schatten zu sitzen gelüstet es mich.
Und seine Frucht ist meinem Gaumen süß.
Stärkt mich mit Traubenkuchen
Erquickt mich mit Äpfeln,
denn ich bin krank vor Liebe.“ Hl. 2,1-3;5
Warum tadelt ihr mich?
Warum sagt ihr, ich soll sein Angesicht suchen
und nicht seine Hand?
Seht ihr nicht
daß ich krank bin und keine Kraft in mir ist?
Wie soll ich aufstehen und ihn suchen?
Ist es dann so verkehrt, seine Äpfel zu genießen,
die doch eine Frucht Seines Baumes sind?
Ist es verkehrt,
mich zu stärken und zu erquicken
an den Gaben seiner Hand?
Mit Sehnsucht sehnt sich mein Herz nach ihm
Aber er läßt mich warten...
So betrachte ich die Werke seiner Hände
Sie sind Zeugen
seiner Pracht und Herrlichkeit
Sie verkünden seine Taten und seinen Ruhm!
Hat nicht ER die Sonne gemacht?
Wie ein Bräutigam aus seinem Gemach
tritt sie hervor;
sie freut sich wie ein Held
die Bahn zu durchlaufen. Ps 19,6
Ich stärke mich an diesem Bild
Ich sättige mich an dem Werk seiner Hände
Sein ist das Meer, er hat es ja gemacht
Und das Trockene,
seine Hände haben es gebildet Ps.95,2
Mächtiger als das Tosen gewaltiger Wasser
wuchtiger Brecher des Meeres
Mächtiger ist der Herr in der Höhe. Ps. 93,4
Wie klein fühle ich mich da
wie ohnmächtig
Ist es wirklich wahr
daß du großer Gott
mich bei meinem Namen gerufen hast
und gesagt: ich bin dein?
In meinem Herzen singt es
In meinen Ohren klingt es:
Es ist wahr!
Es ist wahr!
Stärkt mich mit Traubenkuchen
Erquickt mich mit Apfelkuchen
Denn ich bin krank vor Liebe Hl.2,5
ER kann warten
Nach Hl.2, 8-14
Heute habe ich mich in mein Haus eingeschlossen,
und sehne mich doch nach draußen,
nach Freiheit,
durchatmen.
Aber ich kann nicht ,
etwas hält mich zurück.
Ist es Scham?
Hat es überhaupt einen Namen?
Doch horch, mein Geliebter
Er ist auf dem Weg zu mir.
Siehe, da kommt ER,
springt über die Berge,
hüpft über die Hügel.
Mein Geliebter gleicht einer Gazelle
oder einem jungen Hirsch. HL 2,8
Wie leichtfüßig Er die Hindernisse nimmt
die mir unüberwindlich scheinen,
furchteinflößend vor mir aufragen.
Wie gerne schaue ich ihm zu,
ich möchte werden wie ER!
Siehe, da steht Er vor unserer Hauswand,
schaut durch die Fenster herein,
blickt durch die Gitter.
Mein Geliebter erhebt seine Stimme
und spricht zu mir:
„Mache dich auf, meine Freundin,
meine Schöne, und komm! Hl.2,9-10
Ich würde so gerne kommen
Doch ich kann nicht
Etwas hält mich zurück.
Kannst du warten
mir die Zeit geben, die ich brauche?
Danke, daß du nicht an die Tür geklopft hast.
Das hätte mich unter Druck gebracht.
Ich hätte mich verpflichtet gefühlt,
Dir zu öffnen
Heute bin ich nicht bereit
Dich zu empfangen.
Danke, daß du warten kannst,
daß du mich nicht im Sturm erobern willst.
Das würde mich überfordern,
Du lockst mich.
Du wirbst um mich
in liebender Geduld
Das läßt meine Ängste schmelzen,
die Scham muß ihren Griff lockern
Dein Rufen
in Sanftheit,
ist die Stärke,
die mich zum Überwinder macht.
Mein Geliebter,
ich komme!











